Erläuterungen zu journalistischen Fotos

Wie macht man ein funktionierendes Pressefoto? Patentrezepte gibt es nicht. Im Rahmen einer Newsgroup-Diskussion bin ich jedoch zu meiner persönlichen Vorstellung der Mindestanforderungen gekommen, die ich hier nun erläutere. Als Pressefoto oder journalistisches Foto seien auch Bilder verstanden, mit denen bestimmte Situationen (z.B. auf Veranstaltungen) festgehalten werden sollen. Als Beispiel dienen zwei Bilder von einer Papst-Figur auf einem Berliner U-Bahnsteig.

Kriterien

Zunächst einmal dürfen und sollen sämtliche Gestaltungsmittel der Fotografie auch bei der Dokumentation eines Ereignisses in geeigneter Weise benutzt werden. Leider ist es auf Grund der durch den Fotografen nicht zu beeinflussenden Umstände nicht immer möglich, das ideale Mittel zu verwenden. Es ist also Aufgabe des Fotografen, auch unter nicht idealen Bedingungen ansprechende Ergebnisse zu liefern.

Das Hauptziel ist dabei erreicht, wenn solche Fotodokumente nicht zufällig und gedankenlos entstanden aussehen. Zwei Kriterien halte ich dabei für gute Indikatoren: Das hervorgehobene Detail wird entweder in Bezug zum Kontext (z.B. zu der Veranstaltung oder dem Ereignis) gebracht oder das Bild funktioniert alleine, ist auch als Einzelbild gut anzuschauen.

Inhaltlicher Bezug

Wie der Bezug zum Kontext hergestellt wird, ist dem Fotografen überlassen. Nur sollte er halt erkennbar sein. Natürlich muss auch nicht der gesamte situative Kontext einer Aufnahme festgehalten werden. Bei “Picknick am Rande der Großstadt” genügen beispielsweise die Elemente Picknick und Großstadt, welche Großstadt und welche Marmelade gewählt wurden, muss keine Rolle spielen. Bei “Picknick in Berlin” hingegen sollten schon Bemühungen angestellt werden, den konkreten Bezug zu Berlin herzustellen.

Ein dokumentarisches Foto vermittelt also Informationen – am besten von alleine. Ein ergänzender Text ist im Idealfall Luxus, der die im Bild bereits vorhandenen Informationen noch vertieft. Dadurch wird auch die Möglichkeit des “Missbrauchs” einer Aufnahme durch irreführende Erläuterungen verringert.

Wenn der Bezug erfolgreich hergestellt wurde und das Foto somit einen Inhalt hat, erkennt der Betrachter auch viel leichter, welche Umstände auch die Ablichtung banaler Dinge rechtfertigen.
Funktionierendes Einzelbild

Alternativ handelt es sich bei der Aufnahme um ein schönes Einzelfoto. Ein Bild kann schließlich auch interessant sein, wenn an sich banale Dinge gut fotografiert sind. Dann kann die dokumentarische Funktion zu Gunsten der schönen – oder im Idealfall: tollen – Aufnahme in den Hintergrund treten.

Beispiele

Hier folgen zwei Beispiele aus meiner Tätigkeit als Agenturfotograf im Tagesgeschehen. Sie zeigen von einer Gegebenheit sowohl ein “inhaltsreiches”, als auch ein “schönes” Foto.

Bezugherstellendes Foto (mit “Inhalt”)

Dieses Bild stellt einen Bezug zum Kontext her. Zu sehen sind (A) eine Papst-Figur, (B) eine U-Bahn und (C) der Ort des Geschehens.

Auch so funktionierendes Foto

Dieses Bild transportiert die gleiche Situation, aber funktioniert – je nach Betrachter mehr oder weniger – auch als Einzelbild.

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