Der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Ich habe in den letzten Jahren Grundsätze entwickelt, welcher Beschaffenheit meine Socken zu sein haben. Das ist ganz einfach, als Farben kommen Schwarz und Braun in Betracht und sie haben vollständig aus Baumwolle oder einem anderen natürlichen Material zu bestehen – in Ausnahmefällen dulde ich einen geringen Anteil hochwertiger Kunstfasern. Weiterhin hat es sich beim Sortieren nach der Wäsche als sehr praktisch erwiesen, wenn die Socken in irgendeiner Weise mit einem optischen Erkennungsmerkmal ausgestattet sind. Oftmals kommen diese Merkmale in Form von kleinen Logos daher, die seitlich oder unter dem Fuß eingearbeitet sind.
Bis vor ein paar Monaten habe ich irrig angenommen, die Sockenfrage sei für alle Tage geklärt. Die Modekette WE hatte zu einem angemessenen Preis genau solche Socken als sogenanntes Basic ständig im Sortiment und ich konnte mich bei Bedarf mit Nachschub versorgen. Ob außer mir niemand dieses Angebot zu schätzen gewusst hat oder welche anderen Gründe dazu geführt haben mögen, kann ich leider nicht beurteilen, aber: Die Kette hat diese Socken aus dem Programm genommen. Vom Nachschub getrennt, hat sich mein bis dahin stets ausreichender Bestand an Socken ständig verringert und ist inzwischen kritisch niedrig.
Was ich hier anprangere, ist die Tatsache, dass es mir nicht gelingt, eine Alternative aufzuspüren. Einen ganzen Einkaufssamstag lang habe ich jeden Laden aufgesucht, der auch mit Socken handelt. Das Ergebnis ist erschütternd: Bezahlbare – ich bin bereit, bis zu 3,50 € pro Paar aufzuwenden – Socken haben oft einen nicht tolerablen Kunstfaseranteil oder irgendwelche albernen Muster. Meine Hoffnung ruhte dann auf testweise angeschafften Anzugsocken von Tchibo und Edelsocken von Strauss, beide Produkte haben sich als nicht besonders haltbar erwiesen. Vorläufig konnte ich meinen Bestand mit einem Siebener-Pack Qualitätssocken vom fliegenden Händler aufstocken, aber die Teile sitzen erwartungsgemäß schlecht und sind schlicht schwarz, haben keine Unterscheidungsmerkmale. Was sollte ich nach dem Verkaufsgespräch auch erwarten?
Kaufinteressent: Sind diese Socken eine nachhaltige Investition?
Verkäufer: Aber hallo, ich trage die auch.
Kaufinteressent: Ich bin mir nicht sicher, wie die nach der ersten Wäsche aussehen.
Verkäufer: Das ist kein Problem, die bleiben exakt so wie sie jetzt aussehen.
Kaufinteressent: Das befürchte ich auch, ich glaube nämlich, dass die etwas groß ausfallen.
Verkäufer: Das ist kein Problem, die laufen ja bei der ersten Wäsche sowieso etwas ein.
Kaufinteressent: Ich ignoriere Ihren Opportunismus und kaufe die Mindestabgabemenge.
Verkäufer: Möchten Sie eine Tüte?
Ich bin also noch nicht klüger als vorher, die Sockenfrage ist ungelöst. Modehäuser bieten akzeptable Socken an, die exakt meinen bescheidenen Kriterien entsprechen, geben die aber nicht zu tolerablen Preisen ab. Esprit verlangt 6,50 €, bei Boss ist man schon mit 4,50 € dabei. Kann das sein? Ich bitte Euch, Leser dieses verzweifelten Beitrags, wenn es Euch gibt, helft mir. Jeder sachdienliche Hinweis ist gern gesehen.
Falls sich jetzt jemand fragt, wieso ich einer so banalen Frage wie dieser deutlich über 400 Wörter opfere: Herzlich willkommen bei nicht wichtig, hier ist der Name Programm.