Flop Ten

Angenommen, man wollte sich über bestimmte Formate im Privatfernsehen äußern und käme auf die Idee, diese Gedanken unter den Titel „Die blödesten Sendungen aller Zeiten“ zu stellen: Wenn man die alte Journalistenregel „Hüte Dich vor dem Superlativ“ beherzigen wollte, dann würde man das Motto ganz schnell wieder verwerfen – schließlich ist es einerseits schon schwierig, die allerblödesten Sendungen und die nur ziemlich blöden auseinanderzuhalten, andererseits weiß man nie, was die Zukunft bereithält.

Das Privatfernsehen lässt sich von solchen Erwägungen nicht irritieren. RTL sendet derzeit regelmäßig Episoden einer Reihe „Die 10“, in der angeblich nicht mehr steigerungsfähige Begebenheiten präsentiert werden. Gestern: Die zehn spektakulärsten Trennungen

Wie es sich für eine Sendung gehört, die wohl in das Genre Infotainment fallen soll, muss Nachrichtensprecher Anchorman Peter Klöppel regelmäßig auftreten, um dem Ganzen den Anschein der Seriosität zu geben. Wenn man ehrlich ist, hätte der vielleicht sogar öfter zu Wort kommen sollen. Es ist jedenfalls überzeugender, wenn Klöppel zum politischen Rückzug Oskar Lafontaines Stellung bezieht, als wenn eine weithin unbekannte C- bis D-Prominente sich darüber auslässt, dass die Frau von Thomas Anders ihrerzeit von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde.

Ferner darf bezweifelt werden, ob die Scheidung von Modern Talking wirklich die drittsgravierendste Trennung einer Musikband ist, nur übertroffen von der Auflösung von Take That und dem Ende der Beatles. Es sei im Übrigen dahingestellt, inwieweit der normal denkende Mensch die Inhaftierung von Peter Graf als historisch bedeutende Trennung von seiner Tochter Steffi eingeschätzt hätte.

Wenig überzeugend ist es auch, sich als Fernsehsender über die Freundin eines Fußballtorwarts lustig zu machen, weil sie nicht moderieren kann, während man selber Carsten Spengemann, Oliver Geißen und Katja Burkhard beschäftigt oder beschäftigt hat. Gut vorherzusehen hingegen war die traurige Tatsache, dass RTL nicht davor zurückschreckte, in einem Einspieler über die Ehescheidung von Lady Di und Prince Charles über dessen neue Frau zu spötteln.

Beruhigend, dass so ein boulevardesker, verlogenener Mist nicht von Rundfunkgebühren bezahlt wird.

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Comments are closed.