Auf Reise

Meistens reisen meine Fotoausrüstung und ich gemeinsam. Sie war aber auch schon mal alleine unterwegs, ist nach Schweden gefahren. Mit dem Zug. Eigentlich wollten die Ausrüstung und ich nur vom Kopenhagener Flughafen in die Stadtmitte der dänischen Hauptstadt. Als ich den Zug achtlos ohne Fotorucksack verlassen habe, ist das Gepäck eben noch weiter gefahren. Die Aufregung war natürlich groß. Schließlich ist es nicht direkt beruhigend, acht Kilo feinstes Glas und einen kameragewordenen Beweis japanischer Ingenieurskunst – unnötig zu erwähnen: der Kram ist sündhaft teuer – am späten Abend unbeaufsichtigt in einem Zug durch ein fremdes Land reisend zu wissen. Der Skandinavier an sich ist ja reich, das merkt man an den dortigen Preisen. Aber ob er einem unbeaufsichtigten Rucksack widerstehen kann, dessen Verkaufserlös die Pølserversorgung für die nächsten Jahre sicherstellen würde?

Ja, er kann. Am nächsten Nachmittag rief mich ein Mitarbeiter der schwedischen Bahn an, dass ich meine Fotoausrüstung doch bitte abholen wolle, sie sei jetzt in Malmö angekommen. Und selbst wenn nicht, es wäre mir lieber gewesen, die guten Geräte in Händen neuer Besitzer zu wissen, als dass man sie vorsichtshalber gesprengt hätte. Damit muss man heute ja auch rechnen, in einem herrenlosen Gepäckstück könnten sich schließlich Terroristen versteckt halten.

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