No sports

Meine Freundin glaubte, bei den Bundesjugendspielen gäbe es zwei Arten von Urkunden: Ehrenurkunden für die Sportskanonen und normale Urkunden für die Loser, zur Motivation der jungen Menschen netterweise als Siegerurkunde bezeichnet. Diese Annahme beruhte auf ihrem Wissen, stets eine Siegerurkunde erhalten zu haben – es konnte keine schlechtere Kategorie geben, als die, in der sie sich bewegte. Hätte sie heute bei Wikipedia nachgeschaut, wäre sie in ihrem Glauben bestätigt worden.

Hat sie aber nicht, vielmehr sprach sie mit mir und war fassungslos über das, was ich aus meiner deprimierenden Sportlerlaufbahn berichtete. Mir hatte man angesichts meiner offenbar skandalös schlechten sportlichen Leistungen nämlich nur eine Teilnahmeurkunde ausgestellt. Ohne Schulsiegel oder Unterschrift des Bundespräsidenten, nicht auf Kartonpapier gedruckt, nein: Schlecht fotokopiert und lieblos mit dem Namen des Teilnehmers versehen. Man hat nicht einmal den Anstand besessen, die traurige Punktzahl zu verschweigen.

Keine Anteilnahme bitte, ich habe es überwunden. Es hätte außerdem noch schlimmer kommen können: Immerhin gab es für mich keinen Anlass, diesen Fetzen Papier rahmen zu lassen, um ihn im Elternhaus an einer Wand anzubringen, wo er dann vielleicht noch heute hinge.

Stattdessen verziere ich diesen Beitrag stolz mit folgendem eigens zu diesem Zwecke geschaffenen Button:

no sports

Wenn Du auch findest, dass Bundesjugendspiele-Urkunden nicht an Wände gehören, dann bist Du herzlich eingeladen, Deiner Haltung durch Nutzung des no sports-Buttons Ausdruck zu verleihen.

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6 Responses to No sports

  1. Els says:

    Teile deine Erfahrungen. Du hast natürlich Recht. Auch ich durfte eine Teilnehmerurkunde in den Händen halten. Wenn auch nicht eingerahmt – aufgehoben wurde sie bis heute. Wie auch meine Schwimmabzeichen.

  2. Tobias says:

    Ich muss zugeben, ich gehörte in die Ehrenurkunden-Kategorie. Und nen paar Pokale hat mir meine Tennis-”Laufbahn” auch gebracht, seien es auch nur Vereins- und Kreismeisterschaften (und ein dritter Platz im Bezirk. Großes Tennis!).

    Aber: Ganz schlimm fand ich es auch damals schon, diesen sportlichen Erfolg irendwie ausstellen zu müssen. Sei es die Urkunden oder die Pokale: Alles ab in den Keller, und vor 5 Jahren sind die dann allesamt Richtung Müllkippe gewandert.

  3. The Exit says:

    Ich habe die traumatischen Erlebnisse meiner Jugend verdrängt. Sehr demotivierend war es in der Oberstufe Zeiten in Leichtathletik zu laufen, die nicht mal tabelliert waren!

  4. MS says:

    Gibt es bei Verwendung des Buttons eine Churchill-Gedächtniszigarre gratis zugesandt? Ansonsten bin ich durchaus für sports, wenn auch nicht für Leichtathletik.

  5. Thomas says:

    Ohhh ja, das Posting rührte auch bei mir an einem längst vergessen geglaubten gehofften Traumata. Nur das ich mich nicht darauf entsinnen kann, jeweils auch nur eine Teilnahmeurkunde erhalten zu haben.
    Zunächst glaubte ich, dass es nur daran lag, dass es zu meiner Zeit noch nicht flächendeckend Kopierer gab, aber meine Frau, die ungefährt das gleiche Alter hat wie ich, belehrte mich, dass sie auch welche bekommen habe.
    Gab es eine noch tiefere Stufe der sportlichen Leistungsunfähigkeit? Oder war man an meiner Schule einfach nur sozial? Oder zu faul? Oder irre ich mich einfach nur?

    P.S.: Das Posting kommt zur rechten Zeit: Eine kurze Suche bei technorati zeigt, dass momentan wieder die Zeit des großen Dramas zu sein scheint…

  6. DJ says:

    Ne…ich hab zwei Mal “keine” Urkunde erhalten. Ich wusste nicht mal, dass es was zu “gewinnen” gibt.

    Danach hab ich mich angestrengt und einmal eine Siegerurkunde erhalten und für den Rest meiner Schullaufbahn immer eine Ehrenurkunde.

    :-)

    Gruß

    DJ