Das Auto ist oft ziemlich dreckig. In einem Wohngebiet mit getrimmtem Rasen und einer hohen Rentnerdichte wäre es ein potenzielles Ärgernis. Dementsprechend ist jede Wagenwäsche eine kleine Sensation – aber nicht, weil ein sauberes Auto oder gar die Reinigung an sich so toll wären, sondern wegen des Seltenheitswertes dieses Ereignisses. Heute war es wieder so weit, prompt ist mein Weltbild ins Wanken geraten, jedenfalls teilweise, aus zwei Gründen:
Die erste Ursache hängt mit meiner Beliebtheit bei Tankstellen zusammen, die dürfte nämlich äußerst gering sein. Ich tanke weder Super noch diesen Hochleistungs-Formel-1-Sprit, sondern schnödes Normalbenzin, kaufe nur selten einen Schokoriegel oder sowas, keine Zigaretten – und den Wagen lasse ich auch nur alle Jubeljahre sauber machen, einfaches Waschprogramm. Trotzdem versuchte die Kassiererin heute, mich als Stammkunden zu gewinnen, indem sie mir einen Schlüsselanhänger schenkte.
Die zweite Irritation geht auf den Herrn zurück, der nach mir mit der Wagenwäsche dran war, Besitzer eines Mittelklasse-Japaners jüngeren Baujahrs, vermutlich Rentner, wahrscheinlich sogar Eigentümer eines Wohnhauses in einer Gegend mit getrimmtem Rasen. Er hätte ein Profi in Sachen Autopflege sein müssen, sein Wagen war vor der Wäsche schließlich schon sauberer als das von mir benutzte Auto danach. Dennoch überforderte ihn die Bedienung der handelsüblichen Waschanlage hoffnungslos.
Möglicherweise ist mein Weltbild aber doch in Ordnung: Wenn man sich das Geschenk der Kassiererin so anschaut, könnte man auch auf die Idee kommen, sie wollte mich als Kunden, der eh nichts einbringt, vergraulen, und der Rentner war vielleicht einfach blöd.