Heute keine Tirade

Mir fehlen die Worte, dabei könnte ich sie gut gebrauchen. Erst gestern hieß es im Bekanntenkreis, es sei an der Zeit, mal eine ordentliche Tirade über die Berliner Ordnungsbehörden und ihre übereifrigen Mitarbeiter zu bloggen. Das sieht das Ordnungsamt Mitte offenbar auch so. Jedenfalls interpretiere ich das blaue Zettelchen so, das es mir heute hinter dem Scheibenwischer hinterlassen hat, nachdem ich das Auto drei Minuten lang ohne Parkschein auf einem fast leeren Parkstreifen abgestellt hatte.

Ein derzeit – oder demnächst, was weiß ich, so genau gucke ich da nicht hin – hier gastierender Zirkus will der hiesigen Bevölkerung auf seinen zahlreichen Plaketen weismachen, sein weltweit einziger reitender Tiger sei eine Sensation, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Inzwischen glaube ich, dass eine verständnisvolle oder wenigstens vernünftig agierende Behörde noch erheblich sensationeller wäre.

Jetzt würde ich’s den Wegelagerern vom Ordnungsamt gerne mal so richtig geben – rein verbal, versteht sich. Aber mir fehlen die Worte. Die unverschämte Ausweitung der gebührenpflichtigen Parkzeit hier in der Hauptstadt lassen wir mal dahinstehen, aber dass diese Leute sich nicht zu schade dafür sind, die Regeltreue der Verkehrsteilnehmer derart hartnäckig und hinterhältig zu kontrollieren, ist ein Skandal, der dringend einer saftigen Anprangerung bedürfte.

Wenn jemand etwas tut, das mich ärgert, dann sage ich mir oft: “Dieser Mensch ist vermutlich zu dumm, es anders zu machen.” Das hilft, weil ich ihm sein Verhalten dann nicht mehr übelnehmen kann. Bei dem Typen vom Ordnungsamt, der mir ständig in dem sinnfreien Haltverbot hinter der Currywurstbude auflauert, um mich zum Weiterfahren aufzufordern, klappt das regelmäßig. Da der heutige Übeltäter im Verborgenen operierte, konnte ich mir leider kein Urteil über seinen Geisteszustand bilden.

Vielleicht will man es auch nicht so genau wissen. Wer weiß, welche Abgründe sich offenbaren würden: Ein anständiger Mensch würde sich doch weigern, den ruhenden Verkehr zehn Minuten vor Ende der gebührenpflichtigen Parkzeit, in völlig schwachsinnigen Parkverboten oder mitten in der Nacht zu kontrollieren. Wie tief muss man sinken, um diesen Beruf freiwillig auszuüben? In ausweglosen Situationen gibt es doch so viele ehrbarere Alternativen, zu Geld zu kommen, man denke nur an die Betätigung als Hehler, Drogenhändler oder Versicherungsbetrüger.

All das tut aber nichts zur Sache. Da mir – wie erwähnt – die Worte fehlen, muss die Tirade heute ausfallen. Glück gehabt, Ihr elenden #*§%%&#*##!

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