Wo warst Du?

Obwohl ich inzwischen seit fünf Jahren in Berlin wohne, bin ich vor zwei Wochen zum ersten Mal auf der Bornholmer Straße über die Böse-Brücke nach Prenzlauer Berg gefahren. Weil sich die passenden Bilder aus zahlreichen Fernsehdokumentationen prompt in meinem Kopf breit machten, war eine Gratis-Gänsehaut inbegriffen. Vor sechzehn Jahren, als die Mauer fiel, war ich elf. Die Frage, wo ich denn gewesen sei, als es passierte, kann ich nicht befriedigend beantworten.

Gerne würde ich vermelden, die Familie hätte beisammen gesessen und vor Freude geweint, dass die ewigen Transitfahrten zu den Verwandten nach Westberlin damit genau wie die Angst vor der Willkür der DDR-Grenzbeamten ein Ende hätten. Aber so war es nicht. Ich war als Elfjähriger politisch völlig unbekümmert und lediglich leicht verärgert, dass in keinem der drei TV-Programme das lief, was ich laut Fernsehzeitung erwarten durfte. Ziemlich unromantisch, oder?

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