Warum Kulleraugen einen Wintertag retten können

Decken Sie mit uns die Berliner Tafel! Diese Forderung steht auf einem Plakat im Büro der gemeinnützigen Organisation. Die Räumlichkeiten in der Ebersstraße sind der Treffpunkt für die ehrenamtlichen Helfer. Sie machen sich morgens von Schöneberg aus mit Kleintransportern auf den Weg und steuern Spender an, die ihnen größere Mengen unverdorbener Nahrungsmittel überlassen. Letzte Station beim Einsammeln ist der Fruchthof, wo sie regelmäßig zentnerweise Obst und Gemüse bekommen. Dort werden die Waren dann so auf die Fahrzeuge verteilt, dass jeder der Kleintransporter für die Route durch seine Bezirke genügend Nahrungsmittel dabei hat.

Für die, die die Organisation noch nicht kennen: Die Berliner Tafel sammelt seit 1993 Lebensmittel ein, die zwar unverkäuflich, aber für den Müll zu schade sind. Das können Brötchen vom Vortag, Reste von einem zu üppig kalkulierten Büffet oder Bananen und Tomaten sein, die ein Händler bis zum Ladenschluss nicht verkaufen konnte. Diese Lebensmittel verteilt die Berliner Tafel nach dem Vorbild der New Yorker Organisation City-Harvest an über 200 soziale Einrichtungen in ganz Berlin.

Hausfrau Martina und Kraftfahrer Ronald sind zwei der etwa 150 ehrenamtlichen Helfer, die – falls erforderlich – sieben Tage in der Woche rund um die Uhr dafür sorgen, dass ausgemusterte, aber genießbare Speisen bei Hilfsbedürftigen auf dem Tisch und nicht auf dem Müll landen. Auf ihrer Route verteilen die beiden heute Putenlachsfilet, Äpfel, Gurken, Kopfsalat, Suppe, Toastbrot und einige Paletten Nuss-Nougatcreme. Sie beliefern die Bahnhofsmission am Ostbahnhof, eine Kindertagesstätte, ein Wohnheim und ein Obdachlosenprojekt. Die Motivation der beiden? Das ungezwungene und harmonische Verhältnis zwischen den Ehrenamtlern und das Wissen, etwas Gutes zu tun, sind eigentlich Antrieb genug, findet Martina. Kollege Ronald ergänzt: Wenn er nach dem Ausliefern von Kuchen oder Süßigkeiten an einen Kindergarten dann auch noch strahlende Blicke aus „großen, dunklen Kulleraugen“ erntet, ist selbst der trübste Wintertag gerettet.

Dieser Text ist schon ein paar Jahre alt. Weil er so schön in die Jahreszeit passt, habe ich ihn aus der angestaubten Datei auf meiner Festplatte befreit.

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Comments are closed.