Die Canon EOS 5D ist erst seit ein paar Monaten auf dem Markt (vorgestellt im August 2005) und in den meisten Artikeln auf Websites sowie in Foren und Zeitschriften steht nicht viel mehr drin als im Pressetext des Herstellers. Weil viele der für den ambitionierten Anwender relevante Informationen nur mühsam im Internetz zu finden sind, teile ich hier meinem Kenntnisstand zu dieser Kamera mit.
Die Preisentwicklung
Der empfohlene Einzelpreis des Gehäuses liegt an sich bei 3.349 €. Darauf darf man bei Canon aber nicht viel geben: Im Set mit einem – ebenfalls ganz interessanten und einzeln rund 1.000 € teuren – EF 24-105/4 L IS zahlt man derzeit bei günstigen, aber seriösen Händlern 3.595 €. Der Mediamarkt hat genau dieses Set kürzlich für 3.099 € angeboten. Das war meines Erachtens nach ein sehr attraktiver Preis, ich schlug zu.
Das Mediamarkt-Angebot hat Webforen zu einigen Spekulationen geführt, weil kaum jemand weiß, wie es dazu kommen konnte, ich auch nicht. Die Spekulationen reichen von Canon kann dem Druck von Nikon nicht mehr standhalten bis zu Nachfolgemodell steht bereit. Tatsächlich war die Kamera seit ihrer Einführung im vergangenen Herbst auch zum regulären Preis offenbar ein ziemlicher Kassenschlager. Kein Wunder, es ist eine solide Kamera und erstmals war ein Vollformatsensor annähernd erschwinglich. Dass Nikons Erfolg mit der D200 den 5D-Preis beeinflusst, glaube ich nicht. Schließlich ist Canon der einzige Anbieter, der in diesem Preissegment einen Vollformatsensor anbietet. Zudem sind auch große Profihändler, die über neue Modelle und strategische Entwicklungen üblicherweise als erste informiert werden, nicht mitgezogen. Ich schließe mich deshalb der Preiskriegstheorie an. Demzufolge hat Mediamarkt einfach mal 1.000 Sets für 300 Euro unter dem Einkaufspreis abgesetzt. Der Verlust dürfte zu verschmerzen sein, schließlich zahlt man vermutlich ähnliche bis größere Summen für wöchentliche Werbebeilagen und andere PR-Maßnahmen.
Nichtsdestotrotz wird die Kamera auf Dauer noch günstiger werden. Der richtige Zeitpunkt, eine bestimmte Digitalkamera zu kaufen, bleibt stets der spätestmögliche. Es sei denn, man will sie eher haben.
Meine Kalkulation übrigens: Vom Anschaffungspreis in Höhe von 3.099 € hat Canon binnen kürzester Zeit akkurat 300 € zurückerstattet (die 5D-Cashback-Aktion läuft noch bis zum 30. Juni 2006). Weiterhin lege ich auf das Set-Objektiv weniger Wert als auf die Ersparnis, also habe ich das weiterverkauft, es brachte weitere 950 € (für Auktionsergebnisse von Canon-Objektiven gibt es übrigens einen ganz tollen Preisspiegel). Somit habe ich für die nackte Kamera “nur” 1.849 € aufbringen müssen. Und nein, ich denke nicht darüber nach, was ich für meine erste digitale Spiegelreflexkamera bezahlt habe und was dieses Modell alles besser kann…
Die Kamera
Wer sich für so eine Kamera interessiert, wird schon in etwa wissen, was ihn erwartet. Ich konzentriere mich daher auf die Modifikationen, die mir – bisher 10D-Benutzer – aufgefallen sind.
Blitz, Autofocus, Spotmessung
Blitzen ist ohnehin nur für Mädchen, den nicht mehr vorhandenen eingebauten Blitz vermisse ich nicht. Dafür hat die Kamera einen richtigen Autofocus, also einen der auch bei ungünstigeren Lichtverhältnissen zügig und sicher arbeitet (so aus der Erinnerung würde ich das mal in die EOS-3-Liga einordnen). Bei der D30 konnte man noch nicht wirklich von Autofocus sprechen und auch der der 10D sieht dagegen ziemlich alt aus. Nebenbei: Ich gehe übrigens davon aus, dass der Hersteller den Autofocus in den älteren Digitalkameras absichtlich schlecht ausgelegt hat, um Kaufanreize für die jetzt erhältlichen Nachfolgemodelle zu schaffen. Einen Spotmesser hat die 5D auch. Das gefällt natürlich besonders, auch wenn ich mich inzwischen an die gar nicht so schlechte Selektivmessung der D30/D60/10D gewöhnt hatte.
Bedienung, Verzicht auf Motivprogramme, C-Modus, eigene Ordner
Das Bedienkonzept ist schlüssig, es ist die aktuelle Ausbaustufe des mit der D30 begonnenen und mit Erscheinen von deren Nachnachfolger 10D angenehm verschlankten. Bei der Bildbetrachtung auf dem Display (2,5 Zoll übrigens, das ist ziemlich groß) bedient man sich zur Navigation innerhalb eines Bildes nun eines Joysticks (den gibt’s seit der 20D, soweit ich weiß), daran kann man sich gewöhnen. Von mir aus hätte man aber auch das durch den Joystick eingesparte Knöpfchen behalten und stattdessen auf den völlig albernen DPOF-Button verzichten können.
Positiv zu vermelden ist auch der komplette Verzicht auf Motivprogramme. Auf dem Programmwählrad ist dafür eine C-Einstellung hinzugekommen. Im Kameramenü kann man eine komplette Konfiguration (Betriebsart, ISO-Empfindlichkeit, Custom Functions, …) abspeichern, die dann bei Auswahl von Programm C automatisch eingestellt wird. Ich habe diese Einstellung als Concert-Setup eingerichtet (ISO 1600, Autofocus auf *-Taste, Zeitautomatik mit Blendenvorwahl 1,4 und Belichtungskorrektur +2/3).
Weiterhin mag ich die Möglichkeit, im Computer auf den Speicherkarten eigene Ordner anzulegen und diese dann in der Kamera auswählen zu können (wie das geht, steht in der Bedienungsanleitung auf Seite 69 unten). Für eine Urlaubsreise bieten sich zum Beispiel Unterteilungen in Allgemein, Menschen, Kitsch, Privat, schön und Schaf an, damit man beim Raw-Konvertieren zuhause Prioritäten setzen kann.
Zubehör, Umstellungen in Workflow und Kopf
Akkus, Mattscheiben, Handgriff
Akkus vom Typ 511 funktionieren weiterhin, auch wenn Canon die Kamera mit einem Typ 511A ausliefert. Mir sind auch die Dritthersteller-Nachbauten (kosten einen Bruchteil der Canon-Originale) noch nicht explodiert. Wechselmattscheiben habe ich noch nicht ausprobieren können, bin also selber dankbar für brauchbare Informationen. Der Handgriff BG-E4 ist etwas wertiger als beispielsweise der von der D30/D60/10D bekannte BG-E2: Die weichere Belederung, der Ein/Aus-Schalter, an dem man nicht dauernd versehentlich kommt sowie die Möglichkeit, im Notfall auch AA-Batterien benutzen zu können, mögen den Handgriff schmackhaft machen. Mir wäre es trotzdem lieber gewesen, wenn ich meinen bisherigen Handgriff hätte weiterbenutzen können.
Hungrig nach Speicherplatz
Mir wird der Speicherkartenplatz knapp. Bisher bin ich mit zwei 1 GB-Karten gut zurechtgekommen, aber darauf passen angesichts der Bildauflösung von 12 Megapixel nunmehr nur noch 50 Raw-Fotos (Raw + mittleres Jpeg). Diese Bildreserve kann auf einem hektischeren Pressetermin oder einem Konzert knapp werden.
Raw-Format: Photoshop-Update, Änderungen in EXIF-Daten
Zum Raw-Format: Photoshop-Anwender sind genötigt, auf die Version CS2 umzusteigen, weil der Raw-Konverter für CS die Daten der EOS-5D nicht unterstützt. Weiterhin ist mir aufgefallen, dass einige EXIF-Felder herstellerseitig umbenannt wurden. Folge: Viele Informationen, die ich vorher in iMatch über Standardfelder abfragen konnte, sind jetzt in die Maker Notes verschoben. Die Übernahme des EXIF-Datums als IPTC-Datum beispielsweise ist nicht mehr ohne weiteres möglich.
Rechnerleistung, Weitwinkel, Firmware
Ohnehin verlangen die 12 Megapixel-Bilder dem Computer einiges mehr ab als die 6 Megapixel-Aufnahmen des vorher von mir benutzten Geräts. Weiterhin muss ich als Fotografierer mich umstellen, schließlich habe ich plötzlich wieder die Möglichkeit, Aufnahmen mit Weitwinkel zu machen.
Seit kurzem gibt es übrigens eine neue Firmware für die Kamera, Version 1.1.0.
Nachtrag
Inzwischen habe ich auch meine Erfahrungen nach mehr als einem Jahr praktischer Arbeit mit dieser Kamera in Worte gefasst.