
„Mach sie fertig“, schrie mein Schaf neulich wutentbrannt, nachdem es eine E-Mail von der Betreiberin einer neuen Schafseite bekommen hatte. Grund für Knuddels Verärgerung war keineswegs der plumpe Versuch der Absenderin, sich einen Link auf das von ihr verantwortete Angebot zu erschleichen. Vielmehr warf Knuddel der Frau Trittbrettfahrerei beziehungsweise Namensplagiaterie vor und fürchtete um seinen Status als „führendes Schaf“, was auch immer er sich darunter vorstellt. Hatte die Frau es doch gewagt, für ihre Seiten die Domain knuddel-schaf.de zu registrieren. „Ruhig, Dunkelweißer“, versuchte ich, Knuddel zu beruhigen. Ich erklärte, er sei – so originell ist der Name Knuddel ja wirklich nicht – sicher nicht das einzige Kuscheltier mit diesem Namen, vermutlich nicht einmal das einzige Schaf.
Die Betreiberin der Seiten berichtet dort über ihre Sammlung von Stoffschafen. Genau genommen berichtet nicht sie über ihre Schafe, sondern eines der Tiere, das auf den Namen Toni getauft wurde. Wieso die Frau ihre Seiten unter der Domain knuddel-schaf.de laufen lässt, obwohl der Protagonist kein Namensvetter ist, konnte ich Knuddel dann aber nicht erklären. Hinsichtlich der irreführenden Benennung zur Rede gestellt, hatte auch die Betreiberin keine überzeugende Antwort parat. Schließlich räumte sie ein, sie habe sich vielleicht von Knuddel, dem Original, „inspirieren lassen“. Aha.
Als Strategie, um mit diesem Sachverhalt umzugehen, entschied Knuddel, das Original, sich für die naheliegende und bewährte Methode des Totschweigens. Alles andere hätte der Plagiiererin nur unverdiente Aufmerksamkeit und Knuddel, dem Original, mittlere Pansenschmerzen eingebracht. Knuddel, das Original, ist eigentlich ein sehr bescheidener und sanftmütiger Genosse. Gelegentlich rutscht ihm zwar noch ein knappes „Ach, das ist doch bloß Unterschichten-Internet!“ heraus, wenn er auf Toni und seine Besitzerin angesprochen wird. Aber eigentlich hat Knuddel, das Original, nur Mitleid übrig für diesen „peinlichen Versuch, an meinem Ruhm teilzuhaben“, wie er es nennt.
Deshalb irritiert es uns auch nicht, dass die beiden jetzt zu neuen Ufern aufbrechen. Toni und seine Besitzerin nehmen sich inzwischen die ganze Welt vor, jedenfalls den englischsprachigen Teil. Es ist festzustellen, dass sie bei der Übersetzung der Seiten um einiges kreativer waren als bei der Namensfindung für die Domain. Die englische Fassung der Seiten ist schließich ein Mahnmal gegen die automatisierte Übersetzung. Wenn aus
„Soll heissen, hier zeige ich euch, wo wir alle so rumsitzen in der Wohnung!! Aber eigentlich isses ganz schön so nah zusammen.“
etwa
„Should call, here I show you where we everything sit so around in the apartment!! But, actually, isses quite a lot so near together.“
wird, ist das doch Grund genug, die Totschweige-Strategie einen Moment lang zu ignorieren, um auch andere Leute an dem eigenen Vergnügen teilhaben zu lassen. Unser Favorit ist übrigens der Menüeintrag „Meine Herde“, der wurde zu „My stoves“. Darauf muss man in diesem Zusammenhang erstmal kommen.