Das Ende des Proletenfernsehens

Wie Recht er doch hat, habe ich bei mir gedacht, als ich heute im Privatfernsehen dem Welfenprinzen Ernst-August von Hannover zuhörte, der sich aufdringliche Reporter vom Leib hielt, indem er ihnen zurief, er gebe dem deutschen Fernsehen keine Interviews, da dessen Zielgruppe seiner unwürdig sei.

Was die deutschen Sender so produzieren, sei Proleten-Fernsehen und dafür gebe er sich nicht her. Der Prinz mag sich sein Urteil anders gebildet haben als ich, aber im Ergebnis stimmten wir ungefähr überein. Bis jetzt. Ausgerechnet das ZDF, Heimat von Nina Ruge, Johannes B. Kerner und Thomas Gottschalk, war die Anstalt, die mich umstimmte. Solange Dichter und Philosophen im Fernsehen über das Thema Fußball als Daseinsform nachdenken dürfen, müssen wir uns über die geistige Volksgesundheit schließlich keine Sorgen machen.

Die Herren im sogenannten philosophischen Quartett diskutierten nicht nur die Frage, ob es sich noch lohne, für’s Vaterland zu sterben, wenn man Fußballweltmeister ist. Sie waren zudem einig darüber, dass es der Bestechung des lieben Gottes gleiche, wenn ein Schiedsrichter sich korrumpieren lässt. Ebenfalls gut zu wissen: Eigentlich geht es im Fußball nicht um Tore, die spielen genau genommen nur in den großen Arenen eine Rolle. Und warum überhaupt Tore? Vermutlich wegen der Werbung, vielleicht funktioniert die Kommerzialisierung des Ballsports mit Toren einfach besser als ohne. Der Dichter in der Runde befürchtete nämlich – hört, hört – den bevorstehenden Einzug von Werbung in den Fußball. Mal abwarten, ob er mit seinem Gespür Recht behalten wird.

Man muss jedenfalls weder Fußball- noch Medienexperte sein, um aus der gebührenfinanzierten Gesprächsrunde schlussfolgern zu können: Die vor einigen Jahren tragisch verstorbene Spaßgesellschaft ist als Realsatire auferstanden. Schade, dass sie auch gleich wieder gegangen ist, aber nur in die Sommerpause.

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