
Gestern Abend war ich auf dem Schwarzmarkt und habe Farbe eine Eintrittskarte für das Robbie-Williams-Konzert gekauft. Die Geschäfte der Händler liefen schlecht. Als ich mich erkundigte, was ich denn zahlen müsste, erklärte mir eine Verkäuferin, das Ticket habe einen Wert von 88 €. Noch ehe sie auf meine Frage, ob sie denn mit 40 € zufrieden wäre, zustimmend nicken konnte, rief ein anderer Anbieter aus dem Hintergrund, ihm würden 30 € reichen. Ich wurde Besitzer einer Eintrittskarte und habe meine Schwiegermutter und deren Tochter ins Olympiastadion begleitet.
Bei dem Karaokespiel SingStar erziele ich mit meiner Darbietung von “Let me entertain you” regelmäßig mehr Punkte als mit vielen anderen Liedern. Das ist toll, aber kein Grund, ein Konzert des Interpreten zu besuchen. Schließlich führe ich auch bei “Wind of Change” die Bestenliste an und gehe trotzdem nicht auf ein Scorpions-Konzert. Schwiegermutters Überredungskunst (“Ich bezahle die Karte.”), ihrer Tochter Charme (“Ich spreche nicht mehr mit Dir, wenn Du zu Hause bleibst.”) und reichlich Bier brachen meinen Willen.
So durfte ich Robbie Williams live auf der Bühne sehen. Genau genommen: Ich durfte in dem Stadion sein, in dem er sang. Von unseren Plätzen aus war der Sänger nur zu erahnen. Zum Glück gab es zwei Großbildschirme, die Williams, dessen Management bekanntlich, das muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden, den Arsch offen hat, wie der Volksmund sagt, in Großaufnahme zeigten. War aber in Ordnung: Mit vielen Leuten vor Leinwänden stehen, um junge Millionäre in Aktion zu erleben, ist ja durchaus populär, inzwischen vermutlich sogar als Public Viewing im Duden aufgeführt.
Man kann auf so einer Musikveranstaltung einiges lernen. Ich erfuhr, dass es keine Vorgruppen mehr gibt. An ihre Stelle treten Support Acts. Schade, dass die trotz respektabler Leistung weniger Applaus kriegen als etwa zwischen Support und Main Act gezeigte Werbespots, in denen der Protoganist des Abends mitwirkt. Während des Vorprogramms ist mir auch aufgefallen, dass die Akustik in den Dixiklos deutlich angenehmer ist als außerhalb – eine tolle Alternative zum klassischen Ohrstöpsel. Das Konzert war dann aber nicht besonders laut, vielleicht wegen der Zuschauer, einige von denen sind schließlich noch im Wachstum.
Ich habe mich vorher gefragt, wie lange ein Superstar sich wohl bejubeln lässt, bevor er die Bühne betritt. Die verblüffende Antwort: Überhaupt nicht, er beginnt pünktlich. Das muss man sich mal vorstellen. Pünktlich, als Superstar. Nach zwei Stunden war er fertig.
Falls jemand wissen möchte, was zwischen Beginn und Ende war: Routinierter Auftritt, mäßig begeistertes Publikum, Witze auf Kosten einer vollbusigen Blondine in der ersten Reihe, Lücken auf den Rängen und im Innenraum, in denen Pärchen mehr Platz für Standardtänzchen hatten als auf so manchem Dorfschützenfest, schöne Lichteffekte. Gänsehaut ist anders, aber Schwiegermutter hat’s gefallen.