Warum auch nicht?

Dieser Tage sind Wahlplakate in der Hauptstadt allgegenwärtig. Schuld daran ist zum einen die bevorstehende Wahl zum Abgeordnetenhaus, zum anderen sind es natürlich die Parteien, die die Plakate an jedem Baum, Pfahl und wo sonst noch Platz ist anbringen. Und fast immer, wenn ich der Kandidaten ansichtig werde, habe ich das Gefühl, mit ihnen sollte irgendeine Benachteiligtenquote im Landesparlament erfüllt werden. Allein fototechnisch betrachtet ist ein beträchtlicher Teil der Berliner Politiker auf den Plakaten unterbelichtet oder hat einen (Farb-)Stich.

Manche sehen auch einfach scheiße aus, aber das tut nichts zur Sache, schließlich geht es bei Wahlen um Inhalte. Zumindest die etablierten Parteien versuchen, sich irgendwie zu profilieren. Sie produzieren Slogans, die wenigstens auf den ersten Blick aussehen, als seien sie möglicherweise mehrheitsfähig. Auf den zweiten Blick ist es überall das gleiche Geblubber. Darum guckt man besser nicht so oft hin oder denkt gar nicht erst über die Aussagen nach. Genau das hat eine unbedeutende Kleinpartei offenbar zum Motto erhoben. Sie macht sich nichts aus Inhalten und setzt einfach auf die Launen des Wahlvolks. Der Slogan lautet tatsächlich: Warum auch nicht?

Themenwechsel. Der im englischen Sprachraum verbreitete Drang, unbequeme Wahrheiten höflich zu umschreiben, ist zwar hirnverbrannt, aber auch reizvoll. Hirnverbrannt, weil abnormales durch politisch korrekte Umschreibungen erst recht augenfällig wird und ein Ausdruck wie physically challenged dem Behinderten auch nicht die Treppe heraufhilft. Und mal ehrlich: Schwarze sind halt schwarz. Reizvoll ist hingegen die Möglichkeit, in der politischen Korrektheit ein neues Beschimpfungsgenre zu sehen. Die besonnene Teilnahme am Straßenverkehr etwa fällt mir viel leichter, seit ich andere Leute nicht mehr als zu blöd zum Autofahren tituliere, sondern stattdessen einfach traffically challenged diagnostiziere.

Die deutsche Sprache sei ebenfalls positiv erwähnt. Hinreichend kreative Verwender vorausgesetzt, sind schließlich auch hier tolle Wortschöpfungen möglich. In tiefer Dankbarkeit blicke ich auf den asiatischen Imbissbetreiber aus der Nachbarschaft herab, der nicht nur leckere Bratnudeln mit Schweinefleisch für 3 € verkauft, sondern unsere Sprache auch um den schönen und kaum präziser vorstellbaren Begriff Dunkelsoße bereichert hat.

Wer will, kann sich an diese Stelle jetzt eine Poente kross mit Eierreis denken.

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