Ich habe eine Beobachtung gemacht: Einmal pro Stunde, immer um kurz nach halb, piept es in der neuen Küche. Darauf kann man sich verlassen wie damals in der siebten Klasse auf den stündlichen Signalton von den Digitaluhren der coolen Jungs. Früher hätte ich gerne so ein Piepen gehabt, am Handgelenk. Heute wäre ich froh, wenn ich wüsste, was da in der Küche für die Töne verantwortlich ist – um sie abzustellen. Mikrowelle und Kühlschrank sind die alten und haben noch nie gepiept, die Mikrowelle macht Ding wenn sie fertig ist, der Kühlschrank brummt, wenn ihm danach ist, während der übrigen Zeit verhalten sie sich ruhig. Dem Toaster habe ich das Piepen beizeiten untersagt. Der neue Backofen piept nur, wenn man ihn lässt, auf den Herd gehe ich gleich noch ausführlicher ein und die Spülmaschine piept nicht mehr, seit sie endlich repariert wurde. Theoretisch gibt es keine unbekannten Pieptöne in der Küche. Das hat sich nur nicht bis in die Realität herumgesprochen. Die Lokalisierung der Piepser ist nicht nur deshalb schwierig, weil sie nur einmal pro Stunde zu hören sind, sie sind auch sie ziemlich kurz und nicht allzu laut. Es wären mit Sicherheit mehr als eine handvoll Versuche erforderlich, wenn es überhaupt gelingen würde, den Störenfried zu enttarnen. Weil ich mit meiner Zeit besseres anfangen kann, als tagelang zur halben Stunde in der Küche auf den Piepton zu warten, werde ich mich erstmal mit seiner Existenz abfinden müssen.
Andere Pieptöne in der Küche hingegen kenne ich inzwischen ziemlich genau: Wenn ich geahnt hätte, was für einen Herd man einbauen würde, als ich ein Glaskeramikfeld mittlerer Art und Güte verlangte, hätte ich auf der Lieferung eines nicht ganz so modernen Modells bestanden. Der neue Herd wird über zahlreiche Sensorfelder gesteuert, nicht über die mir bisher bekannten und seit Jahrhunderten bewährten Drehschalter. Die Position der berührungsempfindlichen Sensoren ist nicht unproblematisch. Sie befinden sich in dem Kochfeld, also auf dieser glänzenden Fläche, wo zum Kochen auch die Töpfe draufkommen. Wenn nicht gekocht wird, ist die Fläche wie eine Schulturnhalle in den Winterferien: kalt, leer und außer Betrieb. Man könnte also beispielsweise auf die Idee kommen, nach einem Einkauf seine Tüten dort abzustellen. Es dauert aber nicht lange, bis der ausgeschaltete Herd die auf einigen Sensoren platzierten Einkaufstüten bemerkt und prompt als Fehlbedienung interpretiert. Davon, dass der ziemlich am Rand befindliche Einschaltsensor überhaupt nicht aktiviert wird, der Herd also ausgeschaltet bleiben sollte, gibt sich das Gerät unbeeindruckt. Die Folge sind ein ausdauerndes Piepen des Herdes und als Antwort ein leiser Fluch des Angepiepten. Und das passiert öfter als man glaubt. Wie ich kürzlich im Fernsehen erfahren durfte, hat Dieter Bohlen mit einem ähnlichen Herd dasselbe Problem. Ein schwacher Trost.
Als Optimist bin ich trotzdem guter Hoffnung. Die Sache zwischen der piependen Küche und mir wird sich entwickeln wie andere langjährige Beziehungen auch, etwa die von Eheleuten: Wir werden uns im Laufe der Zeit aneinander gewöhnen.