Nachdem ich nun seit über einem Jahr mit der Canon EOS 5D fotografiere, ist es an der Zeit für eine kleine Rückschau auf die bis hier her in der praktischen Anwendung gewonnenen Erkenntnisse – als Ergänzung zu meinem allgemeineren Artikel aus dem letzten Jahr.
Zur Anschaffung der 5D kam es in meinem Fall ohne Not, der Kaufentscheidung lag schlichtweg ein unwiderstehliches Angebot beim Elektrodiscounter zugrunde. Eigentlich war ich schon mit der 10D, die ich davor hatte, nicht unzufrieden. Insbesondere angesichts des Umstands, dass diese bei mir einer D30 nachfolgte, mit der ich trotz einiger Schwachpunkte (vor allem: bei ungünstigen Lichtverhältnissen praktisch kein Autofocus) auch während meiner Tätigkeit als Agenturfotografierer klarkam. Entsprechend erfreut es mich, heute trotzdem sagen zu können, dass die Entscheidung zugunsten der 5D keine schlechte war.
Pro
Vollformat, Auflösung, Rauschverhalten
Die Kamera hat einige Vorzüge. Der Vollformatsensor zu erschwinglichem Preis ist natürlich nachwievor das Hauptargument, nach der mehrjährigen Durstphase mit Verlängerungsfaktor endlich wieder Aufnahmen mit 17mm! Und die Auflösung (12,8 Megapixel) bietet auch eine komfortable Reserve für große Abzüge oder – im Fall der Fälle – radikalen Beschnitt. Das Rauschverhalten des 5D-Sensors bei hohen Empfindlichkeiten hat mich bislang auch nicht enttäuscht. Ich muss jedoch zugeben: Mit diesen technischen Dingen befasse ich mich nur am Rande. Auch hier würde ich behaupten, dass schon die D30 vor fünf Jahren bei 1600 ASA jeden Film einigermaßen blass aussehen ließ. Das ist im Laufe der Jahre glücklicherweise nicht schlechter geworden.
Überhaupt darf nicht vergessen werden, dass viele der heutigen Möglichkeiten puren Luxus darstellen. 12,8 Megapixel sind eine feine Sache, klar. Aber – glauben Sie’s oder nicht – schon aus den 3,3 Megapixeln der D30 waren unter günstigen Umständen sehr ansehnliche 30×45-Belichtungen herauszukitzeln. Nebenbei bemerkt: Ob der hohen Auflösung hatte ich hinsichtlich des mobilen Speicherplatzes ordentlich aufzurüsten. Compact Flash-Karten mit einer Gesamtkapazität von 12 Gigabyte erlauben mir mal gerade, 700 Fotos (Raw + Medium-Jpeg) zu machen, bevor ich wieder an den Computer zurückkehre.
Display
Ein aus Anwendersicht ganz klares Plus der 5D – wie auch aller anderen aktuellen Canon-Modelle – gegenüber älteren Digitalkameras ist das relativ große Display. Damit verhält es sich wie mit der Funkfernbedienung für’s Auto, dem Festplattenrekorder oder anderen praktischen Erfindungen: Solange man es nicht hat, hält man es für überflüssig. Sobald man sich jedoch daran gewöhnt hat, will man nicht mehr darauf verzichten.
Contra
Spiegelschlag
Die von mir vorher benutzte 10D (1,6fach) hat ein sehr angenehmes Auslösegeräusch. Der Spiegelschlag meines Exemplars war so leise, dass ein Bekannter, dessen Leica M6 nichtmal einen Spiegel hat, der Krach machen könnte, regelmäßig ungläubig vor Neid erblasste – jedenfalls bezüglich der Geräuschentwicklung. Wegen des bei einer Vollformatkamera prinzipbedingt größeren Spiegels ist es kein Wunder, dass der Spiegelschlag der 5D lauter ist als bei einer Kamera mit Verlängerungsfaktor.
Sonstige Kleinigkeiten: Autofocus-Felder, Staub, Bildfolge
Weitere Kritikpunkte sind Kleinigkeiten, die keinen Umstieg auf ein anderes Kameramodell rechtfertigen. Falls hier Ehefrauen ambitionierter Foto-Amateure mitlesen: Das eben Gesagte kann sich quasi stündlich ändern. Ihren Männern empfehle ich die Lektüre von Ken Rockwells Artikel Why your wife wants you to get a new camera.
Zurück zur 5D: Die Autofocus-Felder könnten besser verteilt sein, neun Felder dicht an der Mitte helfen natürlich weniger als ein paar mehr, die über den gesamten Sucher verteilt sind. Dann sammelt sich schon mal Staub auf dem Sensor, was bei neueren Canon-Modellen mit integrierter Sensorreinigung möglicherweise weniger schlimm ist. Den Staub sieht man auf dem Bild zum Glück nur bei weit geschlossener Blende, was bei mir nicht oft vorkommt. Und die Bildfolge (3/Sekunde) könnte in mancher Situation vielleicht etwas höher sein – an sich gilt aber auch hier: Wer kein Gefühl für den richtigen Augenblick hat, dem helfen 8 Bilder/Sekunde auch nicht weiter.
Fazit
Gute Kamera
Die Canon EOS 5D ist eine gute Kamera. Fertig. Selbst Qualitätsfanatiker dürften ihre Freude daran haben. Sie behindert den Fotografen kaum in der Verwirklichung seiner Ideen und integriert sich gut in die eigenen Arbeitsabläufe. Der Rest dieses Fazits ist eher allgemeiner Natur und richtet sich vor allem an diejenigen, die immer noch zögern, von der Analogfotografie auf die digitale umzusteigen.
Digitalfotografie an sich
Vorab: Selbst der Naturfotograf Fritz Pölking arbeitete bis zuletzt digital – mit 71 Jahren (Artikel editiert, da Pölking etwa drei Wochen nach Verfassen dieses Artikels verstorben ist). Ich mag an der Digitalfotografie die Möglichkeit, die Kamera dank der Möglichkeit der sofortigen Kontrolle via Histogramm auf dem Display optimal einstellen zu können. Das ist Luxus, aber trotzdem schön. Weiter: Die massive Zeitersparnis wegen der Entbehrlichkeit der Filmentwicklung und des anschließenden Diascannens ist auch nicht zu verachten. Wenn’s mal schnell gehen muss, ist die Nachbearbeitung auch fix erledigt. Häufig reicht es aus, im Jpeg eine Ausschnitts- und Tonwertkorrektur vorzunehmen sowie die Gradation einzustellen. Man muss ja nicht immer gleich mit den Raw-Dateien hantieren – wenngleich das inzwischen dank Adobe Lightroom sehr angenehm geworden und für Qualitätsfetischisten hochgradig verführerisch ist.
Aber nicht vergessen: Die digitale Dunkelkammer ersetzt nicht das Fotografenhirn. Leider, leider, investieren viele Leute mehr Zeit in die aufwändige Nachbearbeitung schlechten Ausgangsmaterials anstatt sich darum zu kümmern, erstmal schöne Fotos zu produzieren, bei denen sich das Post-Processing lohnt.