Das jüngste Gewitter (2007)

Foto: Neue Visionen

Bevor ich mir gestern Roy Anderssons Film »Das jüngste Gewitter« im Kino angesehen habe, habe ich im Internet gelesen, was andere davon halten. Nicht wenige Stimmen lauteten, diese angebliche Komödie sei Zeit- und Geldverschwendung. Was ihr an Lustigkeit fehle, gleiche sie durch die Langeweile aus, die sie verbreite. Kein geistig gesunder Kinogänger ertrage es, bis zum Ende der Vorführung im Saal auszuharren.

Man darf nicht alles glauben, was im Internet steht. Heute kann jeder Depp eine Internetseite aufmachen und schreiben, was er will. So wie ich. Wer mich nach meinem Urteil über den Film fragt, bekommt einen gegenteiligen Tenor zu hören. Nämlich: Toller Film.

Foto: Neue Visionen

Es spricht schon für »Das jüngste Gewitter«, dass man nicht auf Anhieb in wenigen Worten sagen kann, worum es geht. Filme, bei denen das zu einfach geht, sind oft banal. Oder gibt es über »Titanic« mehr zu sagen als Passagierschiff geht sehr lange unter? Zur Untermauerung erlaube ich mir, drei Beispiele aus dem Fernsehprogramm des letzten Wochenendes zu geben:

Der Schwede Andersson lässt seine Akteure vielseitiger in Erscheinung treten. Er erzählt über Absurdes und Alltägliches. Unter anderem über einen Psychologen, der seine Patienten satt und einen Teppichverkäufer, der seine Frau Schlampe genannt hat. Auch haben ein Friseur, der sich an einem unsympathischen Kunden rächt, ein begeisterter Tubaspieler und andere Musiker ihre Auftritte.

Foto: Neue Visionen

Oberflächlich betrachtet mag »Das jüngste Gewitter« schlicht Szenen des alltäglichen Lebens aneinanderreihen, die mitunter nicht einmal einen Sinn zu haben scheinen. Wenn aber selbst eine Banause wie ich unschwer erkennen kann, dass das nicht alles ist, ist die oberflächliche Betrachtung wohl eine falsche Annäherung. Schließlich erzählt Andersson nicht einfach nur Anekdoten.

Vielmehr setzen sich Handlungsstränge fort, tauchen Motive mehrfach auf, greifen Episoden ineinander. Der – durchaus nicht unskurille – Film ist zudem von einer positiven Stimmung getragen und angenehm unaufdringlich in Szene gesetzt. Kennzeichnend ist der Gegensatz zwischen der locker-leichten musikalischen Kulisse und der statisch-kühlen Bildästhetik. So tritt die auch in tristen Momenten des Lebens liegende Komik hervor und macht das Werk zu einem großen Ganzen. Vielleicht über Glück und Träume. Im Übrigen dürften an dem Film auch Freunde der Blasmusik Gefallen finden.

[audio:http://www.muecke-filmpresse.de/download.php/Gewitter/tvabspann.mp3]

Fotos: Neue Visionen
Musikstück: Mücke Filmpresse

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