Kürzlich fiel mir zufällig auf, dass mein MacBook seinen ersten Geburtstag hatte. Das nehme ich zum Anlass, meine Erfahrungen und Erkenntnisse mitzuteilen – in der Hoffnung, neugierigen Lesern oder solchen, die sich mit Wechselgedanken tragen, einen persönlichen Einblick in die Welt der Apple-Computer zu geben.
Vorab sei erwähnt, dass mein Fazit positiv ausfällt. Wer damit nicht klarkommt, sollte sich die folgenden knapp 12.000 Zeichen besser ersparen. Damit aber niemand auf die Idee kommt, ich sei – wie nicht wenige – ein verblendeter Fanboy, der in seinem MacBook ein Kultobjekt sieht und für den das Bekenntnis zu dem Hersteller einen Religionsersatz darstellt, stelle ich rein vorsorglich klar: Mein geistiger Führer ist sicher nicht Steve Jobs, der Mensch Bill Gates ist mir sogar einigermaßen sympatisch und ich weiß, dass Computer Sachen sind, die dem Menschen zu dienen haben und daher keine Geburtstage feiern.
Früher war nicht alles schlecht
Ich blicke nicht mit Groll zurück auf die vergangenen Zeiten. Schließlich bin ich einigermaßen versiert im Umgang mit dem elektronischen Gerät und finde auch im Falle völlig idiotischer und unnötiger Komplikationen in der Regel eine Lösung (ideale Voraussetzung, einen Windowsrechner erfolgreich zu betreiben). In den über 15 Jahren, die ich mit unter Microsoft-Betriebssystemen funktionierenden (habe vorstehendes Wort als Anhänger des Konzepts Fairness nicht in Anführungszeichen gesetzt) Geräten arbeitete, kam ich zurecht. Die schreckliche Hilflosigkeit, die viele Leute verspüren müssen, wenn ihr Computer nicht so will wie er sollte, ist mir aus eigener Erfahrung nicht bekannt.
Wie nervig so einiges in der Windowswelt ist, fällt mir seit dem Wechsel deshalb vor allem dann ein, wenn jemand mit einer Computerfrage an mich herantritt. Meistens ist dann nämlich festzustellen: Das Problem hätte er unter OS X entweder nicht oder es ließe sich spürbar einfacher beheben. Insbesondere wenn es dem Ratsuchenden darum geht, irgendetwas total Simples zu erledigen, zeigt sich erschreckend oft, wie dürftig Windows mit Lösungen zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben ausgestattet ist.
Software: Butter bei die Fische
Zur Veranschaulichung erlaube ich mir, eine Auswahl (!) der Annehmlichkeiten hervorzuheben, die mir das Leben mit OS X dem mit Windows vorzügswürdig erscheinen lassen:
- Handling von Dateien und Medien: OS X kommt mit gängigen Dateiformaten bestens klar und zeigt anstelle eines den Dateityp repräsentierenden Icons eine kleine Vorschau des Inhalts an. Das ist gerade bei Fotos extrem praktisch, da diese Vorschaubilder auch in den Dialogfenstern zum Öffnen von Dateien zu sehen sind. Das Betriebssystem kann die Dateien natürlich auch richtig anzeigen, dafür gibt es die „Vorschau“, die auch PDF-Dateien anzeigt und damit das Ungetüm Adobe Reader überflüssig macht. Damit hört es längst nicht auf. Die QuickLook-Funktion zeigt im Finder markierte Fotos, Texte, Lieder, Videos nach einem Druck auf die Leertaste in einem Schnellansichtsfenster sofort an, wenn man sich nur kurz einen Überblick verschaffen möchte. Ebenfalls sehr angenehm ist die Art, wie externe Medien ins System eingebunden werden: DVDs oder USB-Festplatten tauchen einfach auf dem Desktop auf. Wo auch sonst? Es soll ja Betriebssysteme geben, in denen neu eingelegte Datenträger im Arbeitsplatz versteckt werden… Ein weiteres praktisches Feature ist die Möglichkeit, Dateien nicht nur zu benennen, sondern auch zu etikettieren, sprich: mit einer Farbe zu versehen, mit der der Dateiname in Ordnerfenstern hinterlegt wird.
- Der Mac findet Dateien. Das ist eine Eigenschaft, die langjährige Windowsanwender nicht glauben, bis sie sie selbst gesehen haben. Die stets in der rechten oberen Bildschirmecke auf Eingaben lauernde Spotlight-Lupe ist erstaunlich gut. Wenn man ungefähr weiß, wie die gesuchte Datei heißt, dann findet Spotlight, das natürlich auch per globalem Tastenkürzel aufgerufen werden kann, sie auch. Und zwar binnen maximal weniger Sekunden. Diesen Satz sollte man zweimal lesen. Und zwar binnen maximal weniger Sekunden. Egal, in welchen Ordner das gesuchte Dokument vor Monaten einsortiert wurde oder wohin sie soeben versehentlich verschoben wurde. Spotlight findet sie binnen Sekunden. Sekunden. Spotlight öffnet zusätzlich auch Programme sowie Adressbuch- und Kalendereinträge.
- Apropos Adressbuch: Das funktioniert systemweit. Es stehen also im Kalender dieselben Kontakte wie im Mailprogramm zu Verfügung, die selbstverständlich auch mit Handys synchronisiert werden können. Dass das mit dem iPhone funktioniert, muss wohl nicht erwähnt werden. Mir gelang es aber auch ohne nennenswerten Aufwand, mein altes Nokiateil per Bluetooth mit dem Adressbuch zu synchronisieren – ohne irgendeine Spezialsoftware installieren zu müssen.
- Datensicherung: Es ist eine Schande, dass TimeMachine erst 2007 Einzug in den Mac gehalten hat. Noch schlimmer ist, dass diese Backuplösung trotzdem ihresgleichen sucht. Man braucht schließlich nicht mehr als eine externe Festplatte, um eine völlig automatisch ablaufende Datensicherung zu erhalten – wenn die Systemauslastung es zulässt: stündlich. In Zeiten, in denen persönliche Erinnerungen nicht mehr (nur) in Schuhkartons und Fotoalben gesteckt werden, sondern großteils Festplatten anvertraut werden, deren Lebensdauer nunmal endlich ist, sollten solche Funktionen gesetzlich vorgeschrieben sein (wenigstens sollten ab und zu bundesweite Plakatkampagnen laufen: »Backups schützen.«). Selbst wenn der Daten-GAU ausbleibt, ist die TimeMachine-Sicherung spätestens dann superpraktisch, wenn mal ein neuer Rechner angeschafft wird: Denn dann kann man einfach die bisherige Konfiguration von der TimeMachine-Sicherung auf den neuen Rechner übertragen und direkt weiterarbeiten, ohne vorher ein Wochenende lang Programme installieren und Dateien kopieren zu müssen (ausgenommen hiervon: Bildschirmkalibrierung).
- Ein Mac ist für viele gängige Aufgaben serienmäßig mit brauchbaren Lösungen ausgerüstet: Die oberhalb des Monitors integrierte Webcam ist vom ersten Einschalten des Computers an bereit für Aufnahmen und Videochats. Musikverwaltung und Abspielen erfolgt über das inzwischen allseits bekannte und zu Recht beliebte iTunes. Mit iPhoto steht eine für Privatanwender völlig ausreichende Lösung zum Organisieren und Bearbeiten selbstgemachter Fotos bereit. Das Abspielen von Video-DVDs und Filmen kann bedenkenlos von dem zu diesem Zweck vorinstallierten DVD-Player und QuickTime erledigt werden. Mit iMovie steht sogar ein für gelegentliche Privatnutzung völlig ausreichendes Videoschnittprogramm bereit.
- Software-Installation: In vielen Fällen muss zur Installation eines Programms nur ein Icon verschoben werden. Punkt. In anderen Fällen ist der Installationsprozess so weit standardisiert, dass er nervenschonend und zügig abläuft (Ausnahme: Adobe Creative Suite, deren Installation ist ein prototypischer Vertreter der Kategorie pain in the ass). Für Software-Installationen sind keine Neustarts erforderlich. Schon gar keine mehrfachen. Nicht nur das Betriebssystem und andere mitgelieferte Apple-Software werden automatisch aktualisiert, sogar Firmware-Updates erfolgen automatisch (so eingreifende Aktualisierungen bedürfen allerdings eines Neustarts).
Das war nur eine kleine Auswahl. Beispielhaft noch ein paar Funktionen, die ich nicht näher vorgestellt habe: Aus jedem Programm heraus lassen sich PDF-Dateien erzeugen. Vorgänge zu automatisieren ist dank Automator ein Kinderspiel. Manch einem mag das Dashboard nützen. Exposé und Spaces sorgen für einen komfortablen Überblick über die Arbeitsumgebung. Die Quote der Abstürze und Neustarts (es kommt selten vor, dass der Rechner weniger als zehn Tage am Stück in Betrieb ist) gegenüber meinem letzten Windowsrechner, der dank penibler Pflege ebenfalls ziemlich stabil lief, dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen.
Sein Geld wert
Als ich das weiße MacBook neu hatte, ging es mir wie mit einem Baby. Frauen sprachen mich an und sagten, wie niedlich das Teil doch wäre. Männer hingegen meinten besorgt, so ein Ding koste doch einen Haufen Geld.
Davon abgesehen, dass das oft dieselben Männer waren, die bedenkenlos mehrere hundert Euro in Zusatzausstattungen ihrer Autos stecken, die kein Mensch wirklich braucht, trifft es zu, dass es billigere Computer gibt als Macs. Wenn man die Preise vergleicht, muss man das allerdings ausstattungsbereinigt machen. Ich meine, vor nicht allzu langer Zeit gelesen zu haben, dass technisch tatsächlich vergleichbare Notebooks von Apple 16 Prozent teurer sind als von anderen Herstellern. Diese 16 Prozent werden nach meinem Dafürhalten durch ersparten Ärger und reibungsloses Arbeiten mehr als wettgemacht. Hinzu kommt: Was sind ein paar hundert Euro Preisunterschied, wenn man bedenkt, dass so ein Gerät ein paar Jahre lang im Dauereinsatz ist und sich dann auch noch besser weiterverkaufen lässt?
Hardware: Form follows function
Das ansprechende Äußere von Apple-Computern ist nur das Sahnehäubchen auf die vor allem aus dem Blickwinkel der Benutzerfreundlichkeit ziemlich gute Gestaltung der Hardware. Bei Apple wird offensichtlich Wert auf zweckmäßiges Design gelegt, das sich im Alltag vor allem in vermeintlichen Kleinigkeiten bemerkbar macht. Ein paar Beispiele, die mir an meinem MacBook spontan auffallen:
- Es wird auf überflüssige Tasten verzichtet.
- Alle Buchsen zum Anschluss externer Geräte befinden sich an einer Geräteseite.
- Man kann den Ladezustand des Akkus sehen, ohne das Gerät einschalten zu müssen.
- Eine Leuchtdiode an der Vorderseite des MacBooks gibt die durch sanftes Pulsieren zu erkennen, wenn der Computer schläft.
- Das Display muss zum Öffnen nicht entriegelt werden, weil es magnetisch geschlossen gehalten wird.
- Es gibt keine klapprige CD-Schublade (Laufwerk funktioniert wie im Autoradio).
Der Magsafe-Stromstecker lädt sogar dazu ein, gesondert betracht zu werden. Ohne jemals intimen Kontakt zur zeitgenössischen Produktentwicklung gehabt zu haben, fällt mir daran auf, wie sehr solche Details durchdacht sind:
- Man erkennt am Stecker, ob das Netzteil Strom liefert oder ob der Rechner vom Akku betrieben wird. Diode an bedeutet: Netzstrom vorhanden.
- Man erkennt sogar, ob der Akku voll ist (Diode grün) oder geladen wird (Diode rot).
- Man erkennt das unabhängig davon, wie der rechteckige Stecker eingesteckt wurde, da die Diode an beiden Längsseiten angebracht ist.
- Der Stecker wird magnetisch am Gehäuse befestigt. Dass das Einstecken etwas einfacher geht als bei den andernorts verbreiteten Rundsteckern, will ich – um mich nicht dem Verdacht der Besessenheit auszusetzen – nicht hervorheben. Praktisch wird die Magnetbefestigung im Falle eines Falles: Wenn mal jemand über das Netzkabel stolpert, stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Stecker sich vom Gehäuse löst und das MacBook nicht mit zu Boden gerissen wird.
Ich will gerne einräumen: Die durch den – bisher unerwähnten – Verzicht auf pottenhässliche Monitorscharniere gewonnene Lebensqualität ist nichts im Vergleich zu einer wintertags beheizbaren Wohnung. Man verliert auch keine nennenswerte Lebenszeit auf der Suche nach Anschlussmöglichkeiten für externe Geräte an seinem Discounter-Notebook. Und natürlich kann man auch mit einem Computer leben, dessen Netzstecker weniger intelligent funktioniert. Kunstpause. Aber warum sollte man?
Fazit
Mein MacBook ist ein schönes Gerät, mit dem ich so gut zurecht komme, dass ich für Anwender anderer Plattformen aufrichtiges Mitleid empfinde (wandelt sich gelegentlich in eine unsympathische Mischung aus Intoleranz, Arroganz und Aggression, wenn mal wieder ein Verwandter oder Bekannter mit einem Windowsproblem um Hilfe bittet).
Der Mehrpreis spielt für mich keine Rolle mehr. Natürlich hätte ich nichts dagegen, wenn Apple-Computer billiger wären. Nachdem ich inzwischen aber jedes schlechter funktionierende Gerät als schlicht nicht akzeptabel erachte, habe ich mich mit dem Preis abgefunden. Vorsichtshalber will ich betonen, dass so ein Mac auch nicht perfekt ist (WLAN mitunter etwas instabil, steigerungsfähige Verarbeitungsqualität der Plastik-Macbooks) – er ist der Perfektion aber deutlich näher als alle anderen mir bekannten Computer. Für mich war dieser Systemwechsel also die richtige Entscheidung. Das einzig schlechte daran war, dass sie erst so spät erfolgte.