Fünf Umzugsnotizen:
5. Improvisieren
In Medizinerkreisen heißt es, wer als Arzt im Laufe seines Berufslebens nicht mindestens einen Kunstfehlerprozess am Hals hatte, habe nicht ernsthaft praktiziert. Ähnliches gilt auch im Handwerk, die alte Hobel-Späne-Geschichte. Schon vor Jahren verriet mir ein Autoschlosser, dass ein Minimum an Pfusch unvermeidbar sei („Wer noch nie gepfuscht hat, hat noch nie richtig gearbeitet.“). Recht hat er. Selbst das Verkaufspersonal im Baumarkt leistet seinen Beitrag: Nachdem ich klargemacht hatte, dass Zeit, Lust und Talent für fachmännisch korrekte Schönheitsreparaturen fehlen, erklärte mir ein Mitarbeiter schweren Herzens, aber erstaunlich fachkundig, wie ich am besten vorgehen sollte, um die gravierendsten Mängel der an den Vermieter zu übergebenden Wohnung „schnell und schmutzig“ zu beseitigen. Hat bestens geklappt.
Wenn man den Pfusch als Improvisation bezeichnet, ist gleich auch der negative Beigeschmack verschwunden. Improvisationstalent war natürlich auch in der neuen Wohnung gefragt: Obwohl zahlreiche andere Möbel noch der Montage harrten, gab das Bett, das zuvor lediglich ächzte wie eine angehende Ex-Katze, seinen Geist auf und brach in sich zusammen. Nur der Improvisation und dem Akkuschrauber, den Gott glücklicherweise am achten oder neunten Tag schuf, ist es zu verdanken, dass das Teil binnen einer Drittelstunde wieder auf eigenen Beinen stand. Continue reading →